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Englisch allein ist keine Lösung – Plädoyer für Deutsch, Japanisch und Englisch als gleichberechtigte Wissenschaftssprachen in der Japanologie


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Von: GJF-Vorstand
Datum: 20.10.2009



Stellungnahme der Gesellschaft für Japanforschung (GJF) anlässlich des 14. Deutschsprachigen Japanologentages in Halle 2009

Die Gesellschaft für Japanforschung, die Fachvertretung der deutschsprachigen Japanologinnen und Japanologen, spricht sich für eine gleichberechtigte Verwendung von Deutsch, Japanisch und Englisch in der Japanologie aus. Dies ist das Ergebnis der Abschlussdiskussion des 14. Deutschsprachigen Japanologentags. Nicht in Frage gestellt wurde, dass es sinnvoll und angeraten sein kann, Aufsätze auch in angesehenen englischsprachigen Zeitschriften zu platzieren. Dies macht jedoch Publikationen und Periodika nicht überflüssig, welche der deutschsprachigen Japanforschung ein hochrangiges Forum bieten und gleichzeitig Multilingualität als Qualitätsmerkmal bewahren und pflegen.

Gerade das Jahrbuch „Japanstudien“ des Deutschen Instituts für Japanstudien (DIJ) bildet hier auch in symbolischer Hinsicht einen äußerst wertvollen Eckstein in der deutschen Japanologie. Diese Bedeutung wird durch die Bekanntgabe des Deutschen Instituts für Japanstudien (DIJ) in Tokyo, eines der deutschen geisteswissenschaftlichen Institute im Ausland (DGIA), in Zukunft im Rahmen eines „face lift(s)“ zu Englisch als Hauptsprache in den Publikationen überzugehen, gefährdet. Die heftige Diskussion, die diese Entscheidung in der Fachöffentlichkeit hervorgerufen hat, macht deutlich, dass die Frage der Publikationssprache das gegenwärtige und zukünftige Selbstverständnis der deutschen Japanforschung im Kern betrifft.

Die deutschsprachige Japanologie ist ein äußerst vielgestaltiger Wissenschaftszweig, ihr methodisches Spektrum umfasst alle Kultur- und Sozialwissenschaften. Es ist eine Selbstverständlichkeit für dieses Fach, sich auf die Sprache des Landes zu stützen, das seinen Forschungsgegenstand bildet.

Sprache ist zentraler Bestandteil wissenschaftlicher Äußerungen und der Wissensproduktion hier wie dort. Sprache transportiert Semantiken, die historisch und kulturell geformt sind und sie prägt weitreichend die Formulierung von wissenschaftlichen Fragestellungen. Eine Verallgemeinerung von Englisch als Publikationssprache zugunsten des pragmatischen Arguments einer „visibility“ bleibt hinter diesem Ansatz zurück. Die angestrebte „Internationalisierung“ der Japanologie durch die Einigung auf Englisch als dominanter Sprache impliziert u.E. eine Reduzierung wissenschaftlicher Qualität in der Erforschung und Kommunikation mit und über Japan. Das gleiche gilt analog für Kolleginnen und Kollegen in Japan.

Die Gesellschaft für Japanforschung erklärt: Die Zukunft der Japanologie liegt nicht in einer eindimensionalen Fixierung auf Englisch als Wissenschaftssprache, sondern in der Profilierung als multilinguales Projekt, das Deutsch, Japanisch, Englisch oder anderen Sprachen Raum gibt.


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